Buchrezensionen Team Bellini

Buch-rezension von Daniela

«Ein emotionaler Roman über Freundschaft, Schuld und Verlust.»

Prometheus und Jakob sind beste Freunde. Jakob erkrankt an Krebs und möchte unbedingt an Prometheus Forschungsprojekt mitmachen und ist überzeugt, dass dieser ihm helfen kann als Arzt. Die ganze Familie hofft darauf, aber es kommt anders. Getrieben von Trauer uns Schuld nach dem Tod von Jakob fährt Prometheus nach Dänemark. Auf der Flucht vor sich selbst, Freunden und Familie. Und trifft auf zwei ältere Frauen, die Prometheus helfen mit seiner Trauer, Wut und seinen Ängsten umzugehen. Sie spüren, dass er grosse Schuld in sich trägt. Nach und nach beginnt Prometheus in der neuen Umgebung das Vergangene aufzuarbeiten. Er blickt zurück auf sein Leben mit Jakob und lässt die Ereignisse, die ihre Freundschaft geprägt haben, Revue passieren. Schafft er es, sich seiner Vergangenheit zu stellen?

Mauersegler haben Füsse, die nicht für das Laufen auf dem Boden ausgerichtet sind. In der Luft sind sie graziös und fliegen so elegant daher, aber am Boden sind sie verloren. Ein geschwächter Mauersegler kommt allein nicht mehr hoch, ist er einmal abgestürzt. Man muss ihn in die Luft werfen, dann kann er weiterfliegen!

Schreiber beschreibt die Gefühle von Freundschaft, Humor und Trauer umwerfend und sehr direkt. Ein Buch mit ganz besonderem Sog. An manchen Stellen muss man schmunzeln, an anderen ist einem nur noch nach Heulen zumute, eine Achterbahn der Gefühle! An wieder anderen genießt man einfach die Beschreibung der Natur und der Menschen, die mehr Geheimnisse zu haben scheinen, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Leseempfehlung!  

 

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«Der Mauersegler» von Jasmin Schreiber
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Buch-rezension von Ursi

«Eine lesenswerte Romanze, ein Roman über viel Pflichtgefühl und stillem Begehren.»

1957, im Südwesten von London. Jean Swinney geht auf die Vierzig zu und ist Redakteurin bei einer lokalen Tageszeitung. Von der Liebe enttäuscht, lebt sie ein unscheinbares Leben gemeinsam bei ihrer halsstarrigen Mutter. Als eine junge Frau sich bei der Zeitung meldet und behauptet, ihre Tochter sei das Ergebnis einer unbefleckten Empfängnis, wird Jean mit der Erforschung der Angelegenheit beauftragt. Ist Gretchen Tilbury eine Betrügerin, oder hat sich an ihr tatsächlich ein Wunder vollzogen? Je mehr Jean in der Sache recherchiert, desto näher kommt sie Gretchen, deren freundlich-humorvollem Ehemann und ihrer zauberhaften Tochter Margaret. Die erblühende Freundschaft zu den Tilburys gerät immer mehr in Konflikt mit ihrer Aufgabe als Ermittlerin und bringt alle Beteiligten nach und nach in Bedrängnis. Und doch will Jean die Hoffnung auf ein wenig Glück nicht aufgeben.

Ein wunderschönes, ruhig erzähltes Buch, welches mir richtig gut gefallen hat. Basierend auf teils realen Geschehnissen erzählt die Autorin mit trockenem Humor eine herzerwärmende Geschichte über gesellschaftliche Erwartungen, familiäre Zwänge und den Beginn einer neuen Zeit und ist eine Hommage an all die unauffälligen Menschen, die schnell übersehen und in Schubladen gepackt werden. Für mich hat Clare Chambers genau die richtigen Worte gefunden und ich kann das Buch jeder Frau empfehlen.

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«Kleine Freuden» von Clare Chambers
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Buch-rezension von Carolin

«Subtil, pointiert, herzergreifend.»

Nach ihrem Debüt «Vater unser» das neue Buch von Angela Lehner: Ein großer Roman über Freundschaft und die Abgehängten in der österreichischen Provinz im Jahr 2001 – voller Komik und mit einem unverwechselbaren Sound. Es ist das Jahr 2001, und im Tal ist alles wie immer. Die Berge sind schroff, die Touristen unersättlich, die Jugendlichen auf der Suche nach Alkohol und Abenteuern und die Eltern abwesend. Eine Zukunft hat hier keiner, am allerwenigsten Julia, die in der Hauptschule zum sogenannten Restmüll gehört, was ihr egal ist – denn für sie zählt nur eins: Hip-Hop und der Zusammenhalt ihrer «Crew». Bis ihr Geschichtslehrer eines Tages die ganze Klasse zwingt, an einem politischen Experiment teilzunehmen, und damit eine Lawine an folgenschweren Ereignissen lostritt. 2001 ist ein Roman über Freundschaft und das Einbrechen der Weltpolitik in eine Jugend ohne Gott – geschrieben von einer der originellsten Autorinnen unserer Gegenwart.

Bei dem Buch 2001 wird man ohne Umschweife, mit wuchtiger Sprache und knallhart in das Jahr 2001 in das Dorf Tal in der österreichischen Provinz katapultiert – in die Leben der 16 jährigen Julia und deren Freunde. Die Autorin fängt den Sound dieser Jahre perfekt ein, das ist mal rotzig, mal hart, mal bitter, aber vor allem unglaublich authentisch und schmerzhaft, denn die Perspektivenlosigkeit und Haltlosigkeit der Jugendlichen erliest man sich als Leserin von Seite zu Seite und gerne würde man Julia und ihrer Crew Erwachsene wünschen, die ihnen gut zuhören  und sie einfach mal in den Arm nehmen. Mein Lesetipp!

 

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«2001» von Angela Lehner
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Buch-rezension von Sandra

«Ein Vater auf der Reise zu sich selbst.»

Die Welt ist verstummt, in Schnee gehüllt. Der Verkehr ist zum Erliegen gekommen, Flüge gestrichen und die Straßen tückisch. Doch Tom muss sich in diese verwandelte Landschaft wagen, um seinen Sohn Luke abzuholen, der krank und in seinem Studentenwohnheim gestrandet ist. Während dieser einsamen Reise von Belfast nach Sunderland mit dem Auto und dem Boot denkt Tom über sein Leben nach. Tom fährt durch eine gefrorene weiße Landschaft, aber seine Gedanken verweilen auf dem dunklen Schatten in seinem Herzen, denn er hat vor einiger Zeit als Vater eine qualvolle Wahl getroffen, die er seiner Frau verheimlicht hat und die ihn bis heute quält. Gegen Ende der Fahrt erlaubt er seiner Angst endlich, sich der Wahrheit zu stellen. Meisterhaft überlässt es der Autor uns, die Puzzleteile der Vergangenheit Stück für Stück zusammenzusetzen, wer Daniel ist und was aus ihm geworden ist.

In lyrischer und müheloser Prosa präsentiert uns David Park anschaulich das Innenleben eines Mannes, der sich mit den Herausforderungen der Existenz und als Vater auseinandersetzt. Park schreibt mit einem herzzerreißenden, unerschrockenen Ton und in einer feinen Sprache, in der man sich leicht verlieren kann, wie in der Trostlosigkeit und den erstickenden Schneeverwehungen. Diese Geschichte hat so viel Tiefe; mit Themen wie Liebe, Verlust, Wut, Trauer, Versagen, Bedauern und Hoffnung, die sich durch seine Seiten ziehen. Anmutig und wunderschön zu lesen.

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«Reise durch ein fremdes Land» von David Park
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Buch-rezension von Urs

«Die Nummer 1 aus Schweden!»

In einer kalten Novembernacht 1994 wird im kleinen südschwedischen Marbäck die Leiche einer jungen Frau gefunden. Alles weist auf ein Verbrechen hin, und ein Täter ist schnell ausgemacht: Edvard Christensson unterhielt eine Beziehung mit ihr; wie sein Vater ist er berüchtigt für einen aufbrausenden Charakter. Edvard wird verurteilt, und der Frieden kehrt ins Dorf zurück. Nur nicht für Edvards siebenjährigen Neffen Isak, der Edvard vergöttert hat. Isak ist besessen von der Vorstellung, dass er den Keim des Bösen in sich trägt, wie sein Onkel, wie sein Großvater. Zehn Jahre später sitzt Isak nach einem Diebstahl vor Vidar, der als junger Polizist bei der Verhaftung von Edvard half. Und je mehr Vidar sich zurückerinnert, desto größer werden seine Zweifel an den Ermittlungen damals. Und dann verschwindet Isak. Vidar macht sich auf die Suche. Nach dem Jungen und nach der Antwort auf die Frage, was in jener Novembernacht wirklich geschah.

Ein besonderer Kriminalroman! Sozusagen eine Slowdown-Story. In intensiven Bildern wird eine über Jahre währende Geschichte geschildert, welche den Protagonisten nicht mehr loslassen will. Eine packende Erzählung von einem Polizisten auf dem Weg zu einer Wahrheit, auf dem er den Job und beinahe Frau und Familie verliert. …und eine Entwicklungsgeschichte von einem Jungen, der auf dem Weg zum Erwachsenen unbarmherzig vom Bild seines gescheiterten Onkels verfolgt wird. Ein Bild, das so gar nicht mit der Wahrheit übereinstimmt. Die Protagonisten sind keine Action-Helden aber Helden eines Alltags, der sie langsam zu erdrücken droht. Düster mit einigen versöhnlichen Lichtblicken – und: vor allem sehr lesenswert!

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«Unter dem Sturm» von Christoffer Carlsson
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Buch-rezension von Chantal

USA, 2032: Alle Bürger*innen werden durch einen ID-Chip überwacht. Es ist beinahe unmöglich, undokumentiert zu leben, doch genau das tut die 16-jährige Vali. Nachdem sie aus Kolumbien geflohen ist, hat sich ihre Familie ein Leben in Vermont aufgebaut. Als jedoch der ID-Chip ihrer Mutter nicht mehr funktioniert und ihre Stadt nach Undokumentierten durchsucht wird, müssen sie fliehen. Das Ziel: Kalifornien, der einzige Bundesstaat, der sich der Kontrolle entzogen hat. Doch als Valis Mutter festgenommen wird, muss Vali allein mit ihrem Bruder weiter, quer durchs gesamte Land, bevor es zu spät ist…

Dystopisch fern und doch realistisch nah! Ein rasantes Buch über das Thema Flucht, über Migrantinnen und Migranten. Eine Geschichte über das Wort Zuhause und was es bedeutet. Im Rampenicht eine junge, starke Frau, die ihren Bruder durch das ganze Land auf dem Rücken trägt, wenn es sein muss. Wunderbar geschrieben, dystopische Action gepaart mit erschreckend aktueller Thematik.

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«Sanctuary» von Paola Mendoza
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