Buchrezensionen Team Bellini

Buch-rezension von Daniela

«Eine subtile Gesellschaftskritik, die der Frage nach dem Wesen des Menschseins auf den Grund geht.»

Klara ist eine künstliche Intelligenz, entwickelt, um Jugendlichen eine Gefährtin zu sein auf dem Weg ins Erwachsenwerden. Vom Schaufenster eines Spielzeuggeschäfts aus beobachtet sie genau, was draußen vor sich geht, studiert das Verhalten der Kundinnen und Kunden und hofft, bald von einem jungen Menschen als neue Freundin ausgewählt zu werden. Als sich ihr Wunsch endlich erfüllt und ein Mädchen sie mit nach Hause nimmt, muss sie jedoch bald feststellen, dass sie auf die Versprechen von Menschen nicht allzu viel geben sollte.

Das Buch hat mich sehr berührt und  Klara ist mir ans Herz gewachsen. Ishiguro versteht es einmal mehr meisterlich, ohne den moralisierenden Zeigefinger zu heben, wichtige Fragen zu stellen: Wie erinnern wir uns – und an was? Was macht uns zum Menschen? Was heißt es zu lieben – und welchen Preis sind wir bereit, dafür zu zahlen. 

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«Klara und die Sonne» von Kazuo Ishiguro
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Buch-rezension von Ursi

«Ein Roman wie aus einer anderen Welt.»

In der kleinen mexikanischen Stadt Linares erzählt man sich noch immer von dem Tag, an dem die alte Nana Reja ein Baby unter einer Brücke gefunden hat. Von einem Bienenschwarm umhüllt, erweckt der kleine Simonopio zunächst Misstrauen bei den abergläubischen Dorfbewohnern. Doch die Gutsbesitzer Francisco und Beatriz Morales nehmen den wilden stummen Jungen bei sich auf und lieben ihn wie ihr eigenes Kind. Während die Spanische Grippe die Region trifft, und um sie herum die mexikanische Revolution wütet, lernen sie Simonopios Gabe zu vertrauen und können die Familie so vor dem größten Unheil bewahren. Doch nicht alle Bewohner der Hacienda meinen es gut mit dem Jungen …

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«Das Flüstern der Bienen» von Sofia Segovia
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Buch-rezension von Carolin

«Eine unfassbare Lektüreerfahrung.»

Bei einer ihrer Forschungsreisen auf die Vulkanberge im tiefen Sibirien wird die Anthropologin Nastassja Martin von einem Bären in den Kopf gebissen und dabei schwer verletzt. Unglaublich ergreifend sind  ihre Beschreibung aus dem inneren des Bärenmaules, dem Lebensatem des Bären zu spüren und zu riechen und die eigene Angst vermischt mit einer Art Faszination dieses urgewaltigen, ungleichen Kampfes fast am eigenen Leib zu erleben.

Martin beschreibt Ihren Weg der Genesung in der westlichen Welt. Sie reflektiert auf nur 138 Seiten über Mensch und Natur, über Ost und West, über das Eigene und das Fremde, über den Platz, den ein Mensch in der Welt einnimmt , und über das, was wirklich zählt. Wir bekommen Einblick in das hochspannenden Leben einer Anthropologin, spezialisiert auf arktische Völker, sie eröffnet uns Welten, die sich Dank der Arbeit von Menschen wir ihr, uns erschliessen und wir bekommen eine leise  Ahnung davon, wie es wäre, wenn wir uns auf den Puls von anderen Leben und der Natur voll und ganz einlassen könnten.

Das Buch ist für mich persönlich eine Offenbarung und gehört schon jetzt zu meinen Lieblingsbüchern des Jahres 2021 und zu meinem persönlichen Lebensbüchern, zu denen man immer wieder greift .

 

 

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«An das Wilde glauben» von Nastassja Martin
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Buch-rezension von Sandra

«Das Buch der Stunde.»

Dora ist mit ihrer kleinen Hündin aufs Land gezogen. Sie brauchte dringend einen Tapetenwechsel, mehr Freiheit, Raum zum Atmen. Aber ganz so idyllisch wie gedacht ist Bracken, das kleine Dorf im brandenburgischen Nirgendwo, nicht. In Doras Haus gibt es noch keine Möbel, der Garten gleicht einer Wildnis, und die Busverbindung in die Kreisstadt ist ein Witz. Vor allem aber verbirgt sich hinter der hohen Gartenmauer ein Nachbar, der mit kahlrasiertem Kopf und rechten Sprüchen sämtlichen Vorurteilen zu entsprechen scheint. Geflohen vor dem Lockdown in der Großstadt muss Dora sich fragen, was sie in dieser anarchischen Leere sucht: Abstand von Robert, ihrem Freund, der ihr in seinem verbissenen Klimaaktivismus immer fremder wird? Zuflucht wegen der inneren Unruhe, die sie nachts nicht mehr schlafen lässt? Antwort auf die Frage, wann die Welt eigentlich so durcheinandergeraten ist? Während Dora noch versucht, die eigenen Gedanken und Dämonen in Schach zu halten, geschehen in ihrer unmittelbaren Nähe Dinge, mit denen sie nicht rechnen konnte. Ihr zeigen sich Menschen, die in kein Raster passen, ihre Vorstellungen und ihr bisheriges Leben aufs Massivste herausfordern und sie etwas erfahren lassen, von dem sie niemals gedacht hätte, dass sie es sucht..

Zugegeben, es war meine erste Juli Zeh Lektüre und ja! Ich konnts (nach den ersten 50 Seiten) nicht mehr aus der Hand legen. «Über Menschen» ist das Buch der Stunde gerade zu Corona-Zeiten, klug, aber auch komisch und ausgesprochen süffig zu lesen. Juli Zeh gelingen wunderbar witzige und entlarvende Dialoge und sie zeigt subtil die gesellschaftlichen und ganz privaten Folgen der Pandemie. Es geht vor allem um Gemeinschaft, darum, dass man für den anderen da ist, auch wenn man anders denkt.»Es geht nicht darum, wer was verdient hat. Nicht einmal darum, für oder gegen Nazis zu sein. Das Zauberwort heißt ‹trotzdem›. Trotzdem weitermachen, trotzdem da sein.“ Die Dora ist mir sehr ans Herz gegangen!

 

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«Über Menschen» von Juli Zeh
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Buch-rezension von Urs

«Spannung pur ganz ohne Fernsehen und Kino!»

In einem Vorort von Bern verschwindet der kleine Fabio Della Fortuna, nachdem er auf dem morgendlichen Weg zum Kindergarten nicht dort aufgetaucht ist. Sandro Bandini ermittelt als Leiter der Berner Mordkommission mit seinem Team. Eingeblendet wird dann die Geschichte des vor Jahren spurlos verschwundenen Beni Jundt. Seine Schwester Irena Jundt arbeitet als Rechtsmedizinerin in Bern, zusammen mit Sandro Bandini. Benis Verschwinden hängt wie eine dunkle Wolke über ihrem Leben. Sie besucht den in Thorberg einsitzenden Mörder, der wegen mehrfachem Kindsmissbrauch verurteilt wurde (auch Benis Verschwinden wir ihm angelastet, allerdings bei magerer Beweislage) und erfährt dort erstaunliches. Die Handlung wird nach und nach recht turbulent: Zwei tote Männer im Wald mit Kopfschuss. Dass Milla Nova, Sandros Freundin, als Journalistin beim Fernsehen auch in der Geschichte von Fabio recherchiert sorgt für Pfeffer für den Leser, macht aber die Arbeit von dem geplagten Leiter der Mordkommission nicht leichter. Uns wird schon etwas schwindlig, ob all der Handlungsfäden. Wie passt das alles zusammen? Im abgelegenen Haus eines der toten Männer aus dem Wald wird die Polizei im Keller fündig, allerdings mit hohen Kosten. Eine dort installierte Selbstschussanlage tötet einen der Ermittler. Wir dürfen uns also nicht darüber beklagen, dass nicht einiges los ist in unserer Geschichte. Und mit grosser Regelmässigkeit – immer, wenn gerade etwas Entscheidendes passiert: Schnitt, Szenenwechsel, neues Kapitel. Dieses Buch hat Suchtpotential und macht schlaflose Nächte leicht und flockig, trotz der eigentlich doch traurigen Geschichten über verschiedene Arten von Kindsmissbrauch. Und die losen Handlungsfäden? Ja, die kommen tatsächlich zusammen auf Umwegen über die Vergangenheit: Irena Jundt vergräbt sich in ihrem Elternhaus im Berner Oberland in die dreissig Jahre zurückliegenden Geschichten im Zusammenhang mit dem Verschwinden ihres Bruders, macht einen traurigen Fund und landet in einer widerlichen Geschichte mitten in der kleinbürgerlichen Schweiz. Aber auch Sandro Bandini verfolgt neue Spuren, die nach Frankreich führen und zurück in der Zeit. Die Lektüre dieses spannenden Buches bringt alle Antworten. Liebe Leser, machen wir uns auf den Weg!

 

Lesen? Lesen!

 

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«Der Bruder» von Christine Brand
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Buch-rezension von Chantal

«Diese verdammte Wut!»

Der 15-jährige Daniel ist vor allem eins: wütend. Sein Vater ist weg, seine Mutter schleppt einen Liebhaber nach dem anderen an. Als Resultat erleidet Daniel unkontrollierbare Wutausbrüche. Nun hat sie wieder einen Freund, den Doc. Der Mann, der seinen Hund eingeschläfert hat. Aber den er trotzdem liebgewinnt. Doch dann geschieht ein tödlicher Unfall. Bei der Suche nach dem Schuldigen verändert sich für Daniel alles, auch das Verhältnis zu seinem besten Freund Edgar und zu der sadistischen Klassenschönheit Alina. Kann Daniel seinen Erinnerungen an diese Nacht glauben? Oder spiegeln sie nur wider, was er gerne hätte?

 

Eine berührende Geschichte über das Leben, das nicht immer so verläuft, wie man es sich wünscht. Über einen jungen Mann an der Schwelle des Erwachsenwerdens, der seinen Weg und seinen Platz in dieser Welt sucht.

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«Krummer Hund» von Juliane Pickel
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