Buchtipps Team Bellini

Chantals Buchtipp

«Schlagfertig, furios, fantastisch».

 

Jede der Kasten in Sabor hat ein Geburtsrecht. Zum Beispiel das des Glücks, des Feuers, des Blutes. Ausser die Krähen, die haben Keines. Aber Krähenhexer können jedes Geburtsrecht aus den Zähnen von Verstorbenen ziehen und anwenden.

Stur ist angehende Krähenhexe, verfolgt, gedemütigt, nicht gewürdigt. Ungewollt gerät sie in einen Strudel politischer Machenschaften und hat kurz darauf den Prinzen und seinen Doppelgänger an der Backe. Schafft sie es, den Eid zu erfüllen, der ihr Leben rettet oder sind sie und ihre Krähen dem Untergang geweiht?

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«Knochendiebin» von Margaret Owen
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Carolins Buchtipp

«Tante Martl ging bei mir mitten ins Herz – ohne künstlich produzierte Rührseligkeiten».

“Tante Martl” ist die berührende Hommage der Autorin an ihre Patentante Martina.
Der autobiografische Roman erzählt in sehr berührender Sprache, jedoch ohne Kitsch, das Leben von Martina, die als 3. und jüngste Schwester
in einen pfälzischen Haushalt in den 30iger Jahren geboren wird. Der Vater hätte gerne einen Sohn gehabt und schafft es beim Standesamt die kleine Martina als Martin anzumelden. Für eine Woche ist sie auf dem Papier der langersehnte Sohn. Diese Woche als Junge wird jedoch sehr bezeichned sein in der Biografie von Martina. Die Autorin schildert mit viel Respekt und Würde das Leben, der ihr nahestehenden Patentante – einer stillen, starken Persönlichkeit.

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«Tante Martl» von Ursula März
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Sandras Buchtipp

«Eine Mutter-Tochter-Geschichte: ambivalent, aufwühlend, zärtlich.».

Ernaux, eine der wichtigsten Autorinnen Frankreichs, hat ein sehr menschliches, sehr zärtliches und bisweilen herzzerreißendes Porträt ihrer Mutter entworfen. Der 90 Seiten schmale Band ist das Pendant zu Ernaux’ Buch “Der Platz”, in dem sie den Vater porträtiert, der wie seine Frau aus einfachen Verhältnissen stammt.

Die Mutter, im Titel unspektakulär “Eine Frau” genannt, wird 1906 in einer Kleinstadt in der Normandie in einfachste Verhältnisse geboren, als viertes von sechs Kindern. Mit zwölf geht sie von der Schule ab und arbeitet in einer Margarinefabrik, dann in einer Seilerei. Ihr Traum: ein eigener Lebensmittelladen, den sie später, zusammen mit ihrem Mann, auch verwirklichen kann. Damit die Tochter es einmal besser hat, rackert sich die Mutter ab, überschüttet Annie mit Spielsachen, die sie selbst als Kind nicht haben konnte. Und weil für sie zum gefühlten Aufstieg auch Bildung gehört, will sie das unbedingt nachholen. Die Tochter darf, anders als die Eltern, lernen, geht aufs Gymnasium und rebelliert schließlich gegen die dominante Mutter. Später heiratet Annie einen Studenten aus Bordeaux, der aus einem gebildeten Elternhaus stammt. Ein Riss geht durch die Familie, jetzt erst recht. Die ewige, tief sitzende Unsicherheit und Beklemmung der Mutter. Die auch dann nicht aufhört, als sie Großmutter wird und sich voller Elan um die Enkel kümmert.

Annie Ernaux’ schmales Buch ist nicht nur eine Auseinandersetzung mit der Mutter, sondern auch mit dem explosiven Potenzial sozialer Zugehörigkeit. Der Tochter gelingt die Emanzipation, allerdings nicht ohne Schuldgefühle.

Ich empfehle alle Werke von Annie Ernaux zu lesen:
Erinnerungen eines Mädchens, Der Platz , Die Jahre

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«Eine Frau» von Annie Ernaux
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Ursis Buchtipp

«Viel mehr als eine Weihnachtsgeschichte..»

In seiner neuen Erzählung spielt Stamm wieder mit Realität und Fantasie und erzählt mit doppeltem Boden. Der Erzähler findet nämlich während seines Aufenthalts in einer Künstlerkolonie ein Manuskript, dessen Inhalt ihm bekannt vorkommt. Denn er war vor 33 Jahren Teil der darin erzählten Weihnachtsgeschichte. Damals lernte er in New York Marcia kennen und verbrachte gemeinsam mit ihr und einem Ehepaar die winterlichen Festtage. Das Ende des Manuskripts löst in ihm die Frage aus, wie es den dreien nach seiner Abreise wohl ergangen sein mag.Peter Stamm erzählt aus der Mitte des Lebens heraus, seine Figuren sind zum Greifen nah. Wer seine Bücher liest, kann zu sich selbst finden. Und es ist plötzlich Weihnachten.

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«Marcia aus Vermont» von Peter Stamm
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Danielas Buchtipp

«Eine Hommage an Kinder, die wir behüten sollen».

Eine Mutter, ein Vater, ein Junge und ein Mädchen packen in New York ihre Sachen ins Auto und machen sich auf in die Gegend, die einst die Heimat der Apachen war. Das kleine Mädchen erzählt Witze, der Junge hält wichtige Sachen fotografisch fest, Mutter und Vater sprechen kaum miteinander. So beginnt der vielschichtige Roman von Luiselli und sie nimmt uns mit auf diese Reise.

Der andere Teil erzählt von der Reise der mexikanischen und zentralamerikanischen Kindern, die zu Tausenden aufbrechen, um in den USA zu leben. Sie klettern auf Züge und in offene Frachtcontainer. Nicht alle kommen bis zur Grenze. Luiselli erzählt auf faszinierende Art und Weise von zwei gegenläufigen Ereignissen, die aktueller nicht sein könnten.

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«Archiv der verlorenen Kinder» von Valeria Luiselli
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